Von Ingo Froböse
Wenn die Tage kürzer werden und die Dunkelheit früher einsetzt, spürt der Körper oft schneller, dass ihm Leichtigkeit fehlt. Der Winter ist keine Jahreszeit für harte Programme oder radikale Detox-Kuren. Unser Stoffwechsel schaltet in dieser Phase bewusst einen Gang zurück, arbeitet ökonomischer und reagiert sensibler auf Stress. Deshalb sind es jetzt nicht große Umstellungen, die helfen, sondern kleine, verlässliche Rituale, die den Organismus entlasten und natürliche Entgiftungsprozesse unterstützen. Viele dieser Routinen sind wissenschaftlich gut untersucht und ihre Wirkung zeigt sich oft schon nach wenigen Tagen.
Eine Minute bewusstes Atmen kann den gesamten Tagesstart verändern. Tiefe, langsame Atemzüge aktivieren den Parasympathikus, also den Teil unseres Nervensystems, der für Regeneration und Ruhe zuständig ist. Eine aktuelle Studie (Springer, 2025) zeigt, dass Slow-Breathing-Techniken die Herzfrequenzvariabilität verbessern, Stresshormone senken und sogar schmerzlindernd wirken können. Der Grund: Der verlängerte Ausatem beeinflusst das vegetative Nervensystem unmittelbar. Blutdruck und Herzaktivität stabilisieren sich, der Körper schaltet in einen ruhigeren Modus. Besonders am Morgen, wenn Cortisol naturgemäß höher ist, wirkt diese einfache Technik wie ein stiller Gegenspieler zur Hektik. Vier bis sechs Atemzüge pro Minute reichen völlig aus.
Brennnessel gilt seit Generationen als sanfte Unterstützung für die Nieren – und dieForschung bestätigt diesen Ruf. Eine Studie im „Journal of Ethnopharmacology“ zeigt, dass ein wässriger Extrakt der Pflanze die Harnausscheidung signifikant erhöht und gleichzeitig die Natriumausscheidung verbessert. Genau diese entwässernde Wirkung entlastet die Nieren, ohne den Körper zu dehydrieren. Zusätzlich wurde ein leichter blutdrucksenkender Effekt beobachtet, der die Gefäßregulation positiv beeinflusst. Eine Tasse täglich genügt, um diesen milden Impuls zu setzen. Viele Menschen berichten, dass sie sich dadurch weniger schwer und “voll” fühlen: ein Gefühl, das im Winter durch reichhaltigere Mahlzeiten und weniger Bewegung schnell entsteht.
Bewegen Sie sich möglichst im Tageslicht. Ein Spaziergang in der Mittagspause oder am Vormittag hilft, den Hormonhaushalt zu regulieren und die innere Uhr zu stabilisieren. Das Tageslicht wirkt wie ein natürlicher Wachmacher: Es steigert die Vitamin-D-Produktion, vertreibt Müdigkeit und hebt die Stimmung, ganz besonders an dunklen Tagen.
Wer friert, bewegt sich ungern. Deshalb lohnt es sich, Körper und Muskeln zunächst sanft aufzuwärmen, etwa durch einen heißen Tee, ein warmes Fußbad oder leichte Mobilisationsübungen. Schon wenige Minuten bringen den Kreislauf in Gang und erleichternden Einstieg in Bewegung. Wärme entspannt, Bewegung hält sie aufrecht, ein perfektes Duo.
Das Geheimnis für eine Extraportion Gesundheit liegt in festen Gewohnheiten. Wer sich jeden Tag ein kleines Zeitfenster reserviert, egal ob morgens beim Zähneputzen, mittags beim Kochen oder abends beim Fernsehen trainiert nicht nur den Körper, sondern auch die Disziplin. Routine gibt Halt und lässt den inneren Schweinehund ganz leise werden.
Bewegung ist kein Luxus, sondern eine Lebensversicherung, gerade in der zweiten Lebenshälfte. Ich beobachte bei vielen Menschen jenseits der 50, dass sie sich nach einem langen Sommer deutlich schwerer motivieren können. Doch wer jetzt dranbleibt, profitiert doppelt: körperlich und seelisch. Bewegung stabilisiert die Stimmung, stärkt das Immunsystem und beugt der typischen Winter-Gewichtszunahme vor.
Und das Schöne ist: Der Effekt ist messbar. Studien zeigen, dass regelmäßige Aktivität im Freien depressive Symptome deutlich lindern kann. Selbst bei geringer Intensität. Es braucht also keine Höchstleistungen, sondern einfach die Entscheidung, in Bewegung zu bleiben.
Mein Fazit: Kleine Impulse, große Wirkung.Wer täglich ein bisschen Bewegung in seinen Alltag integriert, dem fällt es leichter, fit, fröhlich und widerstandsfähig zu bleiben, egal, wie grau der Himmel ist!