"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
Diese Frage wird vermutlich häufig gestellt, wenn man sich den durchschnittlichen Alkoholkonsum pro Bundesbürger vor Augen hält. Der Alkoholverbrauch je Einwohner in der Bundesrepublik Deutschland an reinem Alkohol liegt bei mehr als 10 Liter pro Einwohner (BZGA). Um sich dieser Hypothese auseinander zu setzen, bedarf es einer inhaltlichen Präzisierung. Entscheidend für einen höheren Alkoholspiegel im Blut nach identischer Alkoholaufnahme ist das geringere Körpergewicht bzw. die Körpergröße in Bezug auf weniger Körpermasse. Frauen weisen im Vergleich zu Männern bei gleicher Alkoholmengenzufuhr und gleicher Trinkgeschwindigkeit durchschnittlich höhere Blutalkoholwerte und höhere Alkoholkonzentrationen im Gewebe auf. Hierfür sind der geringere Körperwasserhaushalt und der höhere Körperfettanteil (bei gleicher Körpermasse) bei Frauen verantwortlich. Alkohol ist wasser-, jedoch nicht fettlöslich. Der aufgenommene Alkohol verteilt sich über das Blut nur im wässrigen Körpergewebe, nicht jedoch im Knochen und Fettgewebe, das im Mittel bei Männern zwischen 60-70% und bei Frauen zwischen 50-60% des Körpergewichtes ausmacht.
Eine höhere Menge an Fettgewebe erschwert die Verteilung des Alkohols im Gewebe. Durch den generell höheren Fettanteil im Körper von Frauen zeigt sich somit bei gleicher Trinkmenge und –geschwindigkeit durch ein geringeres Verteilungsvolumen eine höhere Alkoholkonzentration im Blut. In der erhöhten Blut-Alkoholkonzentration bei den Frauen wird eine erhöhte Anfälligkeit für Alkoholerkrankungen vermutet.
Neben der Verstoffwechselung in der Leber wird ein geringer Teil des Alkohols bereits im Magen-Darm-Trakt mit Hilfe des Enzyms Alkoholdehydrogenase (ADH) umgewandelt. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die ADH-Aktivität im weiblichen Magen-Darm-Trakt um 75% geringer ist, als bei Männern.
Einer Probandengruppe von 65 Personen wurde bei einer Studie 0,3 Gramm Ethanol pro Kilogramm Körpergewicht intravenös oder oral nach einer normalfettigen Mahlzeit verabreicht. Der gewöhnliche Alkoholkonsum der Probanden betrug maximal 60g pro Woche. Der Blutalkoholspiegel wurde mit einem Alkoholtestgerät der Atemluft oder intravenös alle 5 Minuten nach 15 Minuten der Alkoholgabe gemessen. Einige Probanden wurden dann zu einer Magenuntersuchung herangezogen, um die Verweildauer des Ethanols im Magen-Darm-Trakt anhand des so genannten „first pass“ Stoffwechsels (maximale Eliminierungsrate, Volumen der Verteilung und Verweildauer) zu messen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verweildauer bei hohen Alkoholkonzentrationen bei Frauen um 47% und damit deutlich höher waren als bei Männern. Die maximale Eliminationsrate war bei Frauen größer als bei Männern, das Abbauvolumen jedoch deutlich geringer. Auch die Verteilungsrate ist bei Frauen kleiner. Die Magenentleerung dauerte bei Frauen um bis zu 30 Minuten länger als bei den Männern. Außerdem war die „first-pass“ Umwandlungsrate bei Frauen deutlich kleiner bei einer Alkoholkonzentration ab 10% und signifikant kleiner bei einer Konzentration von 40%. Das heißt, es ist ein verlangsamter Alkoholabbau im Magen-Darm-Bereich ab 10% Alkoholkonzentration bei den Frauen zu beobachten. Weiterhin war zu beobachten, dass die Verarbeitung des Ethanols durch ADH bei den Frauen gegenüber Männern um 42% verringert, die Oxidation in der Leber jedoch um 19% erhöht war. Eine Frage, Herr Froböse…
Wissenschaftler fanden bei intravenöser und dem Körpergewicht angepasster Verabreichung von 6-prozentigem Ethanol keine erheblich unterschiedliche Eliminationsrate was die Leber betrifft. Jedoch war die fettgewebefreie Körpermasse bei den Männern im Gruppendurchschnitt um 42% größer. Sie berechneten, dass die Eliminationsrate des Alkohols durch die Leber unter Einbeziehung der fettgewebefreien Körpermasse um bis zu 38% bei den Frauen erhöht ist. Männer bauen bereits im Magen-Dram-Trakt durch erhöhte ADH-Aktivität mehr Alkohol als Frauen ab. Frauen eliminieren vergleichsweise mehr Alkohol in der Leber. Die verringerte ADH-Aktivität im weiblichen Magen-Darm-Trakt erklärt, warum Frauen bei vergleichbarem Gewicht und gleicher konsumierter Alkoholmenge höhere Blutalkoholkonzentrationen aufweisen als Männer.
Fazit: Männer vertragen, bei gleicher körperlicher Konstitution mehr Alkohol als Frauen, da sie bereits im Magen-Darm-Trakt mehr Alkohol umwandeln als Frauen. Dagegen eliminieren Frauen mehr Alkohol in der Leber als Männer.
Herzliche Grüße Ihr Ingo Froboese