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FAQ

Entzieht der Kaffee dem Körper eigentlich Wasser?

Ob der Kaffee dem Körper Wasser entzieht, ist eine höchstinteressante Fragestellung. Denn der Kaffee rangiert weltweit als ein der populärsten Getränken bzw. Genussmitteln und stellt einen festen Bestandteil unserer Konsum-, und Esskultur dar. Nicht zuletzt wird die Beliebtheit des Getränks auf seine aktivierenden Eigenschaften zurückgeführt. Einerseits wird dem Kaffee eine milde stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem nachgesagt, andererseits zieht der sehr starke Konsum des Kaffee eine gesellschaftlich wichtige Frage nach sich, ob der übermäßige Kaffeegenuss einige gesundheitsschädigende Wirkungen aufweist.

Im Rahmen dieser Kolumne wird allerdings nur die Fragestellung untersucht, ob der Kaffee dem Körper Wasser entzieht, sowie seine Wirkung auf den Wasserhaushalt des menschlichen Körpers.

 

Chemische Zusammensetzung von Kaffee und die Wirkungsmechanismen seiner Inhaltsstoffe

Die aktiven Hauptbestandteile von Kaffee sind Koffein, Theobromin und Theophyllin. Diese Substanzen gehören zu der Gruppe der basischen Alkoloide und kommen in reiner Form als Kristalle vor, die sich gut im Wasser auflösen. Koffein ist die wohl wichtigste Wirkungssubstanz von Kaffee und ist in Kaffeebohnen zu 1-2% enthalten, zu ca. 3,5 % in frischen Teeblättern und zu ca. 2% in Matèblättern, Kakao usw. Koffein wird unter anderem zur Herstellung von verschiedensten Erfrischungsgetränken eingesetzt und hat eine wesentliche Machtposition auf dem Erfrischungsmarkt als ein Bestandteil von verschiedenen Cola – Getränken.

Koffein und Theophyllin haben einen erregenden Effekt auf das zentrale Nervensystem. Sie bewirken in unserem Körper die Ansammlung von so genanntem cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat), das eine zentrale Stellung in der hormonellen Regulation (Ausschüttung von chemischen Substanzen, die den Blutdruck beeinflussen) und im Stoffwechsel einnimmt. Außerdem wird durch sie der Abbau von u.a. Kohlenhydraten, Harnstoff, Eiweiß, Glucose und Fett mitreguliert. Zusätzlich setzt sich das Theophyllin an ausgerechnet die die Rezeptoren im Gehirn und dem Herzmuskel, an die sich sonst die Botenstoffe setzen, die den Körper beruhigen, z.B. bei Erschöpfung. Das erklärt die aufmunternde Wirkung des Kaffee.

 

Effekte der harntreibenden Wirkung und der hormonellen Beeinflussung durch Koffein

Die Ausschwemmung von Wasser aus dem menschlichen Organismus als Reaktion auf den Kaffeekonsum wurde in einigen Studien nachgewiesen. Diese zeichneten sich allerdings durch unterschiedliche Fragestellungen und Designs aus, wie im Nachfolgenden zusammenfassend dargestellt werden soll.

Bei einer Untersuchung aus den 70-er Jahren stand die Einflussanalyse des Koffeins auf die Plasma (flüssiger Teil des Blutes) – Renin(Blutdruckregulation) – Aktivität (PRA) sowie die hormonelle Beeinflussung der Körperreaktionen auf eine einmalige Gabe von 250 mg Koffein im Vordergrund. Die Teilnehmer der Studie waren keine Kaffeetrinker und sollten sich vor dem Beginn der Untersuchung, einer Diät auf koffeinhaltige Produkte wie Tee, Kakao usw. unterziehen. Die Studie zeigte, dass die angehäufte Urinmenge nach einer Koffeineinnahme um 30 % höher war als bei den Teilnehmern, die ein Placebo bekommen hatten. Außerdem wurde eine bedeutsame Erhöhung der PRA (Renin ist ein Enzym, das das Blut- und Flüssigkeitsvolumen reguliert. Die Reninbildung wird gesteigert bei Minderdurchblutung der Niere und bei Natriummangel) gemessen. Dazu kam eine erhöhte Natriumausscheidung mit dem Urin und die Ausschüttung der Katecholomine, einer chemischen Substanz, die den Blutdruck beeinflusst im Plasma, im Vergleich zur Placeboeinnahme ermittelt.

In einer weiteren Studie wurden ähnliche Ergebnisse erzielt. Hierbei wurden 12 regelmäßig Kaffee trinkende Männer und Frauen untersucht, die sich fünf Tage vor dem Beginn der Studie einer Koffeindiät unterziehen mussten. Es stellte sich heraus, dass sich nach dem Kaffeekonsum von 6 Tassen (ca. 642 mg Koffein, eingenommen im Laufe eines ganzen Tages) die Urinmenge innerhalb von 24 Stunden um 41% erhöhte, der Körper von den Untersuchten etwas an Wasser und gleichzeitig zwischen 0.7 und 0.4 kg an Gewicht verlor. Trotz negativer Flüssigkeitsbilanz spürten die meisten Studienteilnehmer kein erhöhtesDurstgefühl.

In den beiden Studien wurde aufgezeigt, dass die Wasserausscheidung unmittelbar nach dem relativ hohen Kaffeekonsum (innerhalb von 24 Stunden) bei den koffeinabstinenten Personen signifikant steigt. Die Ergebnisse ließen allerdings noch einige Fragen offen, denn die Untersuchungsdesigns schlossen zum einen ausschließlich an Koffeinkonsum gewöhnte Personen ein und hatten zum anderen auch die Wirkung von kleineren Kaffee-Mengen nicht mit berücksichtigt.

So wurde in aktuelleren Studien gezielt die Wirkung von verschieden Mengen an Koffein auf die Nieren-Systeme analysiert. Für die Untersuchung wurden 12 gesunde Männer rekrutiert, deren durchschnittliche Koffeineinnahme sich täglich auf ca. 240 mg Koffein belief (ungefährvier bis sechs Tassen von Kaffee oder Tee). Es ließ sich ermitteln, dass die harntreibende Körperreaktion auf die Einnahme von einer kleineren zusätzlichen Menge des Koffeins, angefangen von 90 mg, keine wesentlichen Unterschiede zu der Aufnahme eines Placebos ergab. Erst bei der Einnahme von 360 mg des Koffeins stieg die Urinausscheidung erheblich an. Das Volumen der Blutplasmamenge, die die Niere pro Minute durchströmt hat sich jedoch auch bei den höheren Koffeindosen nicht wesentlich vom „Placeboergebnis“ unterschieden.

Alle drei aufgeführten Studien zeigten, dass der harntreibende Wirkungsmechanismus des Koffeins sich nach einer einmaligen Einnahme sowohl bei den Koffeinabstinenten als auch bei den Kaffeetrinkern nach einer erhöhten Dosis entfaltet. In einer Weiterentwicklung der Thematik konnte ein Forscherteam feststellen, dass bei einem mehrfachen und erhöhten Koffeinkonsum mit dreimal täglich von 250 mg Koffein, die Entwicklung einer Körpertoleranz gegenüber der Substanz entsteht, die den anfänglichen Anstieg des Blutdrucks, der Blutplasmamenge, die die Niere pro Minute durchströmt und der Katecholominausschüttung ausgleicht. Erst wenn die kontinuierlichen Koffeineinnahmen pro Tag 12 mg/kg Körpermasse (Ca. 6-11 Tassen pro Tag) übersteigen, können die koffeinspezifischen Wirkungsmechanismen durch eine entwickelte Körpertoleranz nicht mehr ausgeglichen werden.

 

Zusammenfassung

Aus den vorgestellten Studien geht zusammenfassend hervor, dass das Koffein in der Tat eine breite Wirkung auf die Nieren-Funktionen hat und eine Harnausscheidung hervorrufen kann. Allerdings tritt dieser Effekt in Abhängigkeit von der mit dem Koffein entwickelten Mengentoleranz auf. Mit anderen Worten, bei Personen mit „weniger Erfahrungen im Umgang mit Kaffee“ und koffeinhaltigen Produkten tritt die harntreibende Wirkung eher und stärker ein als bei erfahrenen „Koffeinkonsumenten“, bei denen sich die Körpertoleranz nach einer noch nicht klar definierter Zeit gegenüber dem Koffein entwickelt. Ungeachtet dieser Toleranz wirken jedoch größere Mengen an Koffein auch bei Kaffeetrinkern ab einer Dosis von 12 mg Koffein/kg Körpermasse harntreibend.

Dementsprechend muss von der Tagestrinkmenge der Kaffees nicht als Negativbilanz abgezogen werden. Ganz im Gegenteil – gerade unter dem Aspekt der Entgiftung und Ausschwemmung von Schadstoffen zählt Kaffee ebenso wie alle anderen zur Trinkmenge des Tages hinzu. Ein Ausgleich der getrunken Kaffeemenge ist daher durch andere Flüssigkeiten nicht notwenig (außer bei exzessivem Genuss).

 

Herzliche Grüße

Ihr Ingo Froboese