Tischtennisspieler sind die schlausten Sportler!

Allgemein

Im Rahmen einer Studie des Zentrum für Gesundheit (ZfG) der Deutschen Sporthochschule Köln wurde die schulische Leistungsfähigkeit von verschiedenen Sportlern untersucht. Es konnten klare Zusammenhänge der ausgeübten Sportart und der schulischen Leistungsfähigkeit festgestellt werden. So stellte sich heraus, dass Tischtennisspieler „schlauer“ als Tennisspieler oder Schwimmer sind. Und auch die Fußballspieler konnten nicht gerade im Vorderfeld der leistungsstarken Schüler glänzen.

Einleitung:
Die körperliche Betätigung Kinder und Jugendlicher nimmt zunehmend ab. Die Freizeit wird vermehrt vor Computer und TV verbracht. Doch zu wenig Sport kann zu einer geringeren Leistungsfähigkeit und somit zu einem schlechteren Notendurchschnitt führen.
Abgesehen von den gesundheitlichen Effekten, hat Sport viele weitere Einflüsse auf den Organismus. So gibt es beispielsweise Sportarten, die besonders die Kreativität fördern und manche rein motorisch ausgelegt sind. Darüber hinaus wird bei anderen wiederum der Schwerpunkt auf die Verbesserung von Ausdauer, Kraft oder Koordination gelegt. Dementsprechend ist auch zu erwarten, dass in Anlehnung an die jeweilige Belastung während einer Sportart, unterschiedliche Anforderungen an die kognitive Leistungsfähigkeit gestellt werden. Deshalb kann man auch erwarten, dass Schülerinnen und Schüler aus kreativen und intellektuell herausfordernden Sportarten bessere Leistungen in der Schule entwickeln, als in rein “motorisch“ angelegte Disziplinen.

Methodik:
An dieser Untersuchung nahmen insgesamt 635 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 18 Jahren aus drei Schulen mit zwei unterschiedlichen Schulformen (Gymnasium und Hauptschule) teil. Um diese Studie umsetzen zu können, wurde ein spezieller Fragebogen konzipiert. Mit diesem wurde die Häufigkeit des Sporttreibens, die Sportart und der Notendurchschnitt der Schüler abgefragt.

Ergebnisse:
Sport macht gute Schulnoten!
Anhand der Ergebnisse wird deutlich, dass offensichtlich ein Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Leistungsfähigkeit besteht. Diejenigen die im Vergleich zu inaktiven Schülern angaben regelmäßig Sport zu treiben, konnten im Durchschnitt einen 0,5 Noten besseren Schnitt vorweisen. Diese Tatsache lässt die Vermutung aufstellen, dass regelmäßige Bewegung zu einem Anstieg der Konzentrations- bzw. Leistungsfähigkeit führt und „bessere“ Schulleistungen hervorbringt.

Tischtennis und Turnen machen schlau!
So konnte herausgefunden werden, das Unterschiede in der Sportwahl der „erfolgreichen“ bzw. „nicht so erfolgreichen“ Schüler bestehen. Diejenigen die angaben Tischtennis zu spielen oder Turnen, erhielten in der Untersuchung die besten Noten. Sie hatten einen Notendurchschnitt von 2,0. Dem gegenüber schnitten diejenigen, die angaben Tennis zu spielen mit einem Schnitt von 2,5 am schlechtesten ab. Gefolgt wurden diese von den Fußballern und den Schwimmern. Das Mittelfeld bildeten Sportarten wie Joggen, Fahrrad fahren, Handball, Reiten und Volleyball.
Rangliste der Sportarten nach Notendurchschnitt:

1)Tischtennis (2,0)
2)Turnen (2,0)
3)Kampfsport (2,08)
4)Volleyball (2,11)
5)Handball (2,12)
6)Reiten (2,12)
7)Basketball (2,28)
8) Tanzen (2,28)
9) Joggen (2,29)
10) Fahrrad fahren (2,31)
11) Fitnessstudio (2,33)
12) Schwimmen (2,4)
13) Fußball (2,47)
14) Tennis (2,5)

Fazit:
So wird das schulische Geschick nicht allein durch den Fleiß beziehungsweise die Intelligenz des Schülers bestimmt, sondern hängt stark von dem positiven wie negativen Einfluss des sozialen Umfelds des Jugendlichen ab. Auch die körperliche Betätigung kann in diesem Zusammenhang einen entscheidenden Beitrag leisten. Die richtige Sportart führt offensichtlich zu einem anderen Lernerfolg, weil spezielle Ressourcen und Stärken herausgearbeitet werden, von denen Kinder auch in der Schule profitieren. Deswegen sollte nicht nur Nachhilfe auf dem Programm schlechter Schüler stehen – die Eltern sollten ihre Kinder einfach im richtigen Sportverein anmelden. Bei weiteren Informationen kontaktieren Sie bitte:

Zentrum für Gesundheit
Stephanie Sump
Tel.: 0221-49827110
Email: info@zfg-koeln.de

Studiendurchführung:
Prof. Dr. Ingo Froböse
Dipl. Sportwiss. Jochen Schiffer

Zentrum für Gesundheit, 01.05.2009

Author Redaktion ZfG | Datum: 1. Mai 2009 um 16:46 | Kategorie: Allgemein | Schlagwörter: | 7 Kommentare

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Kommentar

Markus Thies | 19. Mai 2014 at 18:39

Natürlich schmeichelt es, daß besonders Tischtennis die schulischen Leistungen fördern soll. Aber man sollte die Ergebnisse doch mit einiger Vorsicht genießen. Die Methodik der Befragung läßt lediglich das Ergebnis zu, daß mehre Ereignisse gleichzeitig eintreten (hier: Sport, besonders Tischtennis/Turnen und schulische Noten. Ob ein Ereignis das andere beeinflusst, kann die Studie nicht beantworten.
Es könnte auch sein, daß ein anderer Faktor z.B. die Intelligenz die Ereignisse beeinflusst.
Ich halte einen Zusammenhang für möglich vgl. z.B. László Polgár, aber diese Studie sagt es halt nicht aus.
Dafür wäre eine prospektive Studie mit zufälligen Probanden notwendig, bei denen man klärt, ob das Erlernen von einer Sportart Einfluß auf schulische Noten hat.

Hier noch ein kleiner Hinweis, der es vielleicht deutlicher macht: Die Olympia-Sportart Schach (ob es eine Sportart ist – geschenkt, darum geht es nicht) fehlt in dem Ranking.
Würde es jemanden wundern, wenn Schach selbst Tischtennis und Turnen überflügelt – wohl kaum. Oder das Ergebnis, daß Vereinsschachspieler bessere Noten in Mathe haben. Aber diese Typen sind bestimmt nicht durch das Schachspiel in Mathe gut geworden. Es ist eher ein Talent zu vermuten, was beides befördert.

Aber interessant ist trotzdem, warum Schach nicht dabei war. Sollte das Ergebnis genau herauskommen?

Grüße
Markus

Wissenschaftler | 19. Mai 2014 at 22:22

Obwohl ich als Tischtennisspieler dem Ergebnis dieser Studie emotional positiv gegenüberstehe halte ich die Schlussfolgerung zumindest dieses Artikels (das genaue Studiendesign und die Aussage des zfg kene ich nicht) für gewagt.

Soweit erkennbar gibt es eine (statistisch signifikante?) Korrelation zwischen Schulerfolg und Schulnote.

Ob sich diese Korrelation allerdings durch die Ausübung des Sports ergibt, kann schon allein deshalb nicht behauptet werden, da zumindest aus dem Artikel keine Werte über die Schulnoten „vor“ der sportlichen Tätigkeit bekannt sind.

Vielleicht lagen die Schulnoten der Kinder, die Tischtennis spielen zuvor bei 1,9, die der Fußballer bei 2,5, dann hätte der Fußballsport die Schulnoten verbessert, Tischtennis sogar verschlechtert.

Ich denke dass ein Grund für die differenten Noten eine unterschiedliche Verteilung von Sportpräferenzen in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ist.

Als ich nach Erscheinen der Studie das ZfG auf diese Problematik aufmerksam machte erhielt ich leider keine Antwort

Max | 21. Mai 2014 at 17:33

Das ist sehr interessant.
Die Kausalkette könnte allerdings auch anders herum aussehen:
Die schlauesten Schüler haben sich für die sportliche Betätigung entschieden.
Vielleicht sind dann Tischtennis und Turnen diejenigen Sportarten, die die sehr schlauen Schüler
besonders reizen bzw. Besonders motorisch herausfordern…

Fragel Elke | 10. Jun 2014 at 20:24

Der Bericht von ihnen stimmt zu 100%. Da meine Tochter 12 Jahre alt ist und seit 7 Jahren Leistungssport in Turnen betreibt. Ihre schulleistung ist sehr gut. Mfg Fragel

Redaktion ZfG | 29. Jul 2014 at 10:20

Eine interessante Sichtweise, die Kausalkette umzudrehen. Bisher durchgeführte Studien lassen jedoch eher darauf schließen, dass die sportliche Aktivität einen positiven Effekt auf die schulische Leistung hat und nicht andersherum.

Redaktion ZfG | 29. Jul 2014 at 10:20

Leider können wir bei dieser Frage nur spekulieren. Aber sicherlich haben Sie Recht, dass Schachspielern ein gewisses Talent mit in die Wiege gelegt wurde. In jedem Fall ein interessanter Ansatz für die Wissenschaft!