Frauen in den Wechseljahren

Gesundes Altern

Der Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln, Ingo Froböse, gehört zu den bekanntesten deutschen Ratgeber-Autoren. Sein neues Buch „Ist es wahre Leidenschaft … oder nur erhöhter Blutdruck?“ ist gerade im Bastei Lübbe Verlag erschienen (8,99 Euro)

Ganz im Süden Kameruns leben die Beti-Frauen. Sie streben nach Höherem und freuen sich darauf, die Grenze zur 50 zu überschreiten. Denn dann erleben diese Frauen den Eintritt in eine „zweite Pubertät“, in Deutschland meist schlicht mit „Wechseljahren“ umschrieben. Die Beti-Frauen beginnen dann jenen Lebensabschnitt, in dem sie endlich Zugang zum höchsten Status und zur höchsten Anerkennung finden. Denn von da an werden sie gesellschaftlich dem Mann gleichgestellt. Auch in vielen anderen Kulturen wird der hormonelle Wandel als Chance für einen Eintritt in eine neue Lebensphase betrachtet.

Wechseljahre=Krankheit?

Anders bei uns, wo er zu einer „Krankheit“ wird. Von diesem Zeitpunkt an gelten Frauen – und übrigens auch Männer – bei vielen als ausgelaugt und sollen aus gelebt haben. Was für ein Quatsch, oder? Schauen wir doch mal genauer hin. Medizinisch erwiesen ist: Die Wechseljahre bedeuten niemals das Ende des Frau- oder Mannseins. Und es sind gar nicht nur die Hormone für die eventuell als negativ empfundenen Veränderungen verantwortlich. Haben Sie also bitte keine Angst vor möglichen Symptomen wie Hitzewallungen, nächt – lichen Schweißausbrüchen, Blasenschwäche oder nachlassender Lust auf Sex. Denn all diese Dinge müssen sich nicht zwangsläufig einstellen, und oft äußern sie sich nur minimal.

Hormonersatztherapie

Etwas mehr Angst vor den Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie wäre jedenfalls um einiges berechtigter. Um besagte Beschwerden zu lindern, verordnen Gynäkologen nämlich immer noch gern Hormonpräparate. Die Inhaltsstoffe entsprechen allerdings in ihrer Zusammensetzung in keiner Weise den körpereigenen Hormonen. Problematisch daran ist, dass man häufig versucht, die einen Beschwerden zu bekämpfen, ohne zu merken, dass damit andere Leiden provoziert werden. Gerade künstliche Gestagene sind mitverantwortlich für viele Nebenwirkungen, zu denen etwa Schlaflosigkeit, Flüssigkeitseinlagerungen, Migräne und Depressionen zählen. Noch schlimmer sieht es mit möglichen Langzeitfolgen aus. Inzwischen werden immer mehr Details darüber bekannt. So zeigt die Forschung, dass Brustkrebs in und nach den Wechsel – jahren in 30 Prozent aller Fälle vermieden werden kann – und zwar durch den Verzicht auf diese Mittel.

Ähnliches gilt für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bewegung dagegen reduziert die Gefahr. Und das muss nicht zwangsläufig ein bestimmter Sport sein, denn auch Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen summieren sich. Vielleicht denken Sie einmal daran zurück, wie es Ihnen ergangen ist, als Sie als Teenager in die Pubertät kamen: Chaos im Gehirn, entgleiste Gefühle, Pickel im Gesicht … Damals haben Sie diese Phänomene als langersehnten Schritt zum Erwachsensein verstanden. Haben Sie jemals daran gedacht, das mit Medikamenten zu bekämpfen? Warum also sollten Sie es jetzt tun?

FürSie – Novemver 2012

Author Redaktion ZfG | Datum: 22. November 2012 um 11:50 | Kategorie: Gesundes Altern | Schlagwörter: , | 3 Kommentare

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Kommentar


2 × = achtzehn

Ute Franz | 22. Dez 2012 at 20:08

Hallo Herr Prof. Dr. Froböse,

Ihr Artikel hat mich darin bestärkt das Östrogen (Sisare Gel mono 1g) nicht auf meine Haut aufzutragen. Ich gehöre auch zu den Frauen die unter den Wechseljahresbeschwerden leiden, am schlimmsten sind die Hitzewallungen zu ertragen, die Blase macht einen schwach,ich bin immer irgendwie ausgelaugt und Schlafstörungen geben einem den Rest. Seit Jahren versucht mir meine Fauenärztin Hormone aufzuschwatzen, die ich bisher immer abgelehnt habe, beim letzten Besuch hat sie mir dann doch trotz Bedenken und Fragen, wie es aussieht mit dem erhöhten Krebrisiko, Gewichtszunahme etc.,geantwortet, das das Risoko gering sei, Studien hätten ergeben, bla bla bla, alles nicht so schlimm. Na ja, ich habe das Medikament mitgenommen, aber innerlich wußte ich, ich nehme es nicht.
Ihr Artikel hat mich darin bestärtkt, es nicht zu tun, vielen Dank.
Ich treibe ein wenig Sport, fahre bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit und ich Jogge eine kleine Runde.
Werde mich mal mit Ihren Büchern beschäftigen.
Vielleicht findet ja mal in unserer Region (Mecklenburg Vorpommern)
ein Themenabend statt, würde mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Franz
54 Jahre

Ingrid Anni | 30. Jul 2014 at 12:40

Hallo Prof. Dr. Froböse,

mit Erstaunen lese ich Ihre Stellungnahme: Frauen in den Wechseljahren.
Wie können Sie als Mann beurteilen, wie sich Frau in der Situation zu fühlen hat?!
Jede Frau ist einzigartig und so soll sie selber entscheiden, wie sie sich am wohlsten
fühlt, auch mit Hilfe von Hormonen. Dieses mit der Pupertät gleichzusetzen, erscheint mir
doch sehr fragwürdig und oberflächig, ( verzeihen Sie ) sowie der Vergleich mit Beti Frauen.
In unserer Gesellschaft in der heutigen Zeit sind es die Frauen selbst, die sich nicht mit
ihrem älter werden positiv auseinandersetzen. Eine gestandene, erfahrene Frau sucht sich
ihr Glück nicht im Schönheitssalon. Aber sich mit fühlender Intelligenz über die Vor – und Nachteile
einer Hormonersatz Therapie auseinanderzusetzen, halte ich für sinnvoller, als ein
schwarz/ weiß Urteil. Es gibt auch Grauzonen. Ich selbst nehme seit 18 Jahren Presomen 0,3
und erfreue mich bester Gesundheit mit schlanken 73 Jahren. ich denke, es ist viel wichtiger
darauf aufmerksam zu machen, dass Frau sich im Alter besser ernährt, sich nicht
mit ungesunden Kohlenhydraten ( Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot ) zu FÜLLEN.
Das richtige essen und weniger unter permanenten Hitzewallungen
und Depressionen etc. leiden zu müssen.

Herzliche Grüße

Ingrid Anni

Redaktion ZfG | 31. Jul 2014 at 15:24

Liebe Ingrid,
vielen Dank für Ihre kritische, aber auch angemessene Kritik! Gestatten Sie mir dennoch einen Kommentar aus Sicht der Wissenschaft über die Grenzen der männlichen Sichtweisen hinaus. Auch wenn das sicher durch eine männlich gefärbte Brille sehe! Die Individualität jedes Menschen ist davon völlig unberührt. Denn die Wissenschaft beschäftigt sich immer mit Durchschnittswerten und Pauschalisierungen. Sollte ich Sie in Ihrer individuellen Sicht dadurch möglicherweise “beschämt” haben, so bitte ich dies zu entschuldigen!
Wir freuen uns, dass Sie unsere Auffassung teilen, dass eine gesunde und ausgewogenen Ernährung die Grundlage für ein gute Gesundheit bis ins hohe Alter ist und Sie den für Sie richtigen Weg gefunden haben – denn schlussendlich ist dies der wichtigste aller Aspekte.