"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
Schwitzen für die Gesundheit und in geselliger Runde: Gut bei Bluthochdruck, fettiger Haut und Infektanfälligkeit
Wer regelmäßig in die Sauna geht, ist weniger infektanfällig. Aber nur, wenn der Hitze ein Kältereiz entgegengesetzt wird. Schwitzen kann aber auch entspannend sein - wenn nicht zu viel diskutiert wird.
Ist es der schönste Moment, wenn sich die Tür der Sauna öffnet oder wenn man dem eiskalten Tauchbecken entsteigt? Schwitzerprobte Saunierer können die Frage einen Aufguss lang diskutieren. Für Sauna-Neulinge dagegen ist klar: Glück bedeutet, der fast 100 Grad heißen "Folterkammer" zu entkommen und sich bei deutlich unter 10 Grad körperlich wie temperaturmäßig wie im Frühling zu fühlen. Vom Tauchbecken weiß der Frischling noch nichts. Schnell aber wird er merken: Sauna ist nichts für Warmduscher. Den Saunagang mit einer deutlichen Abkühlung zu beenden, ist das A und O - nur so kommt der Organismus wieder auf Normaltemperatur. "Achten Sie jedoch darauf, immer herzfern mit der Kühlung zu beginnen, um den erhitzten Kreislauf möglichst schonend herunterzukühlen", rät Prof. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. Es ist genau diese "Abhärtung", die statistisch gesicherte Effekte des Saunierens bewirkt: "Die Infekthäufigkeit geht drastisch herunter, die Durchblutung wird entscheidend verbessert, freie Radikale werden besser gebunden", sagt der Internist und Sauna-Experte Dr. Rainer Brenke. Wer unter leichtem Bluthochdruck leidet, könne durch regelmäßigen Saunabesuch die Werte senken. Regelmäßig heißt: "Mindestens einmal die Woche, und nicht nur im Winter." Auch die Lungenfunktion lasse sich verbessern, ist Brenke überzeugt: "Wir schicken Asthmatiker ganz bewusst in die Sauna." Herzprobleme, Multiple Sklerose oder akute Krankheiten sind allerdings Gründe, die gegen den Sauna-Besuch sprechen. "Wer zu fettiger Haut neigt, kann vom Saunieren profitieren", sagt der Ulmer Hautarzt Prof. Ralf Uwe Peter. Das gelte auch bei funktionellen Durchblutungsstörungen - kalte Hände und Füße im Winter. "Aber Vorsicht: Wenn die Kälteem-pfindungen in Händen und Füßen Ergebnis einer arteriellen Verschlusskrankheit sind, kann der vermehrte Sauerstoffbedarf der Hände und Füße unter Saunabedingungen die Problematik noch verschärfen." Mit Krampfadern in die Sauna zu gehen, ist laut Peter grundsätzlich unproblematisch, wenn nach dem Saunagang tatsächlich das kalte Becken und nicht der warme Whirlpool kommt. "Bei akuten Venenentzündungen oder gar nach tiefen Venenthrombosen sollte man jedoch vom Saunieren Abstand nehmen." Ebenfalls oft diskutiert: Soll man während des Saunierens trinken? Eigentlich sei das nicht nötig, ist die Meinung des Saunabundes, sozusagen das "Zentralorgan" der Sauna-Freunde (http://www.saunabund-ev.de). "Der durch das Schwitzen angeregte Flüssigkeitsstrom ist erwünscht und kann durch Trinken nach dem Saunabaden ohne Probleme ausgeglichen werden." Die Runde aus der Frauensauna, die sich jeden Montag im Blausteiner Bad Blau trifft, wird das nicht gerne hören. Gerne stellen die Damen schon mal ein Fläschchen Prosecco im Zulauf des Kneippbeckens kalt, um dann ausgiebig die Frage zu erörtern, die sogar zu einer Unterschriftenliste geführt hat: Darf ein Mann in der Frauensauna den Aufguss machen? Aus inoffiziellen Kreisen sickerte durch: Er darf, ja er soll es sogar. Die Mehrheit der gerne schwitzenden Frauen scheint der Ansicht zu sein, Männer seien die besseren, weil kraftvolleren Aufgießer. Merke: Sauna hat auch etwas mit Geselligkeit zu tun. Wer lieber allein entspannen möchte, begibt sich besser in den Ruheraum. Der heißt so, weil es dort still sein sollte. Aber wie das so ist mit Regeln: Sie werden gerne mal gebrochen. Da tropft der Schweiß aufs Holz, weil die junge Dame nur ein küchentuchgroßes Handtuch dabei hat, oder die Liegestühle werden stundenlang belegt, ganz wie am Pool auf "Malle". Erfahrene Saunierer lassen derlei Unartigkeiten kalt. Während es zu DDR-Zeiten Sauna auf Rezept gab, wurde in den alten Bundesländern schon immer vor allem zur Erholung sauniert. Lange bevor das Wort "Wellness" auftauchte.