"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
Professor Ingo Froböse erklärt, dass sich auch für Firmen eine betriebliche Gesundheitsvorsorge für ihre Mitarbeiter lohnt. Er ist Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln. Herr Froböse, ist betriebliche Gesundheitsförderung inzwischen ein alter Hut, oder gibt es noch immer Handlungsbedarf?
INGO FROBÖSE Grundsätzlich besteht sehr großer Handlungsbedarf. Der demografische Wandel verlangt, dass die Unternehmen investieren, um gerade die älteren Mitarbeiter in ihrer Leistungsfähigkeit möglichst stabil zu halten. Von fast allen großen Unternehmen wird das schon umgesetzt, aber gerade in den kleinen und mittelständischen Unternehmen, und diese stellen immerhin rund 80 Prozent der Arbeitsplätze, passiert nur sehr bedingt etwas. Lohnt sich ein Gesundheitsmanagement für kleine Firmen?
FROBÖSE Gerade diese Unternehmen können den Ausfall eines qualifizierten Mitarbeiters viel weniger kompensieren. Dabei sind Projekte auch für sie bezahlbar. Betriebliche Gesundheitsförderung gehört zu den gesetzlichen Leistungen, die Krankenkassen können bis zu 150 Euro pro Jahr pro Arbeitnehmer finanzieren. Das ist ja schon mal was. Und man sollte auch immer den Arbeitnehmer mit in die Haftung nehmen. Es hat sich gezeigt, dass er Programme nicht schätzt und auch oft nicht an ihnen teilnimmt, wenn sie nichts kosten. Sind nicht kleine Unternehmen viel zu sehr damit beschäftigt, zu überleben?
FROBÖSE Noch ist es so. Aber man darf nicht unterschätzen, wie sehr sich diese Maßnahmen auf die Produktivität auswirken können. Ganz, ganz oft finden wir Arbeitnehmer, die in ihrer Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt sind, obwohl sie da sind. Durch Stressbelastung, Aufmerksamkeitsdefizite oder Konzentrationsprobleme. Gesundheitsförderung kann dem entgegenwirken, dazu gibt es schöne amerikanische Studien. Sind die Amerikaner uns da einen Schritt voraus?
FROBÖSE Ja, weil sie ein ganz anderes Sozialversicherungssystem haben. Da fühlen sich die Unternehmen viel mehr verpflichtet, etwas für die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer zu tun. Das ist in Deutschland leider noch nicht so. Weil das als Aufgabe der Krankenkassen gilt ...
FROBÖSE So ist es. Aber das wird sich zum Glück ändern. Wir werden in Deutschland in den nächsten zehn Jahren eine Minimalversorgung der gesetzlichen Krankenkassen bekommen. Das wird den Unternehmern nicht mehr ausreichen. Genauso, wie wir eine betriebliche Altersvorsorge haben, werden wir auch eine betriebliche Gesundheitsvorsorge bekommen. Außerdem wird es in Zukunft gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen so sein, dass sie um hoch qualifizierte Arbeitskräfte buhlen müssen. Da werden die Unternehmen siegen, die eine gute Gesundheitsvorsorge haben