"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Froböse, zwei Drittel aller Männer haben Übergewicht. Warum sind Männer so viel dicker als Frauen?
INGO FROBÖSE: Männer sind gute Verdränger und missachten die Signale, die ihr Körper sendet. Das ist in vielen gesundheitlichen Belangen so. Jede zweite Frau geht regelmäßig zur medizinischen Vorsorge, aber nur jeder sechste Mann. Frauen gehen im Durchschnitt nach drei Tagen zum Arzt, wenn sie Beschwerden haben, Männer nach 14 Tagen. Artikel mailen Druckfassung
Was sind die Gründe?
FROBÖSE: Es hat sicherlich etwas mit der Erziehung zu tun. Noch immer werden Jungen nach dem Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ erzogen. So werden sie regelrecht trainiert, ihre Empfindungen zu negieren.
Gibt es auch körperliche Ursachen?
FROBÖSE: Eine ist sicherlich das Hormon Testosteron, das auch für die Aggressivität verantwortlich ist. Männer bevorzugen nicht grundlos Kampfsportarten oder Spiele wie Fußball. Besonders junge Männer gebrauchen ihren Körper, als wäre er eine unzerstörbare Maschine. 90 Prozent aller schweren Unfälle gehen auf das Konto von Männern.
Zurück zum Übergewicht - war nicht in den letzten Jahren immer wieder davon die Rede, dass derKörperkult auch das männliche Geschlecht erobert hat. Gilt das nicht mehr?
FROBÖSE: Ja, aber dieser Körperkult bewegt vor allem junge dynamische Männer, Managertypen, die ihren Erfolg auch in einem gestylten Körper umsetzen wollen. Der Durchschnittsmann dagegen ist eher ein konsumorientiertes Wesen, das nach oraler Befriedigung sucht - rauchen, trinken und vor allem essen. Dass der Körper dabei nach und nach an Form verliert, merken viele erst mal gar nicht. In der Regel besitzen Männer keine Ganzkörper-Spiegel. Frauen sind einfach eitler und ziehen schneller die Notbremse.
Wie kommt es zu dem ständigen Anstieg des Übergewichtes?
FROBÖSE: Ein wichtiger Aspekt ist die Veränderung der Arbeitswelt. Der Durchschnittsmann geht am Tag gerade mal 370 Meter zu Fuß, es wird kaum mehr körperlich gearbeitet. An den Portionen auf dem Teller hat sich aber fast nichts geändert. Es herrscht ganz einfach ein krasses Missverhältnis zwischen Energiezufuhr und dem tatsächlichen Kalorienverbrauch.
Aber heute werden doch eine Vielzahl von kalorienreduzierten Lebensmitteln angeboten - nützt das nichts?
FROBÖSE: Die Lightprodukte machen die Situation eigentlich noch schlimmer. Wir gewöhnen uns durch sie daran, viel zu große Portionen zu essen und verstärken so ein ungesundes Essverhalten.