"Essen und Trimmen - beides  muss stimmen!"

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„Jeder braucht ein festes Ziel“

Kölner Stadt-Anzeiger, 22.02.2008

Ingo Froboese ist Professor für Prävention im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln.

KÖLNER STADT-ANZEIGER Professor Froböse, Sie beurteilen für den Tüv-Rheinland Fitnessstudios. Woran erkennt man denn ein gutes Fitnesscenter?

INGO FROBÖSE In der Regel daran, dass es ein Prüfsiegel hat - aber leider sind in Deutschland nur zehn Prozent aller Studios zertifiziert, das sind etwa 400. Man erkennt ein gutes Fitnessstudio nicht an chromblitzenden Geräten oder einer Getränketheke mit besonders viel Auswahl. Sondern daran, dass ein gutes Konzept dahintersteckt.

Was sind die Kriterien für ein gutes Konzept?

FROBÖSE Zwei Faktoren: Zum einen das Personal, es muss gut ausgebildet und ständig präsent sein. Zum anderen sollte das jeweilige Konzept auf mich als Kunden individuell zugeschnitten sein. Dazu muss am Anfang ein Gespräch geführt werden, in dem meine individuellen Trainingsziele geklärt werden, und es muss eine Bestandserhebung meiner körperlichen Fähigkeiten vorgenommen werden. Als Resultat sollte dann ein individueller Trainingsplan aufgestellt werden. Außerdem sollten die Trainingspläne kontinuierlich überarbeitet werden.

Auch gute Fitness-Konzepte gibt es ja durchaus verschiedene. Woher weiß ich, welches das beste für mich ist?

FROBÖSE Ich muss mir klar sein, was ich möchte. Man sollte ein festes Ziel vor Augen haben, wenn man ein Fitnessstudio betritt - die Methode, mit denen man das Ziel erreichen kann, bekommt man vor Ort.

Welche Ziele können das sein?

FROBÖSE Die einen möchten ganz grundsätzlich ihre körperliche Fitness verbessern. Andere werden konkreter. Ich möchte innerhalb eines Jahres abnehmen, meine Rückenprobleme loswerden oder vorbeugend etwas gegen Muskelschwund im Alter tun.

Viele erwarten sich von Fitnesstraining vor allem Muskelaufbau. Wie sehr kann man das denn beeinflussen?

FROBÖSE Ich sage immer: Man kann aus einem Brauereipferd kein Rennpferd machen - aber aus einem Rennpferd ein Brauereipferd. Es gibt genetische Dispositionen, aber jeder kann in seinem Spektrum Muskelaufbau erreichen. Dabei bedeutet Muskelaufbau übrigens nicht automatisch Muskelwachstum.

Das müssen Sie erklären.

FROBÖSE Volumenwachstum ist nur einer der Faktoren, die man mit Training verbessern kann. Außerdem kann man das Zusammenspiel der Muskeln, ihre Ausdauer und das „Innenleben“ der Muskeln verbessern - also aus einem Diesel- einen Superbenzin-Muskel machen. Ich bin als normaler Bürger nur fähig, 60 Prozent der Muskelfasern zu nutzen. Trainierte können dagegen 90 Prozent aktivieren, ohne dass sie unbedingt mehr Muskelmasse haben. Deshalb ist Fitnesstraining auch für Frauen interessant, die keine Muskelberge wollen, sondern nur Kraft.

Ist Fitnesstraining denn grundsätzlich überhaupt für jeden geeignet?

FROBÖSE Grundsätzlich ja - wenn man Fitnesstraining nicht gleichsetzt mit Muskeltraining. Im Wort Fitness steckt ja schon eine Verbesserung des Wohlbefindens drin. Kriterium ist: Es muss auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein. Dann findet auch jeder sein Studio.

 

Welches Studio passt zu mir?
In den 80ern waren die Fronten klar. Fitnessstudios nannte man nicht „Club“, sondern Muckibude, besucht wurden sie nur von „Pumpern“. Sport trieb man also lieber auf dem Trimm-dich-Pfad. Oder im Verein. Heute gehen in Köln fast genauso viele Menschen in ein Fitnessstudio wie in den Sportverein. 23 Prozent der Kölner sind in Vereinen aktiv, 21 Prozent trainieren in Fitnesscentern, der Rest treibt „unorganisierten Sport“ - so das Ergebnis einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Image der „Folterkammer“ haben die meisten Studios längst abgelegt. Wellnessgänger und Gesundheitssportler sind gefragte Zielgruppen der Betreiber geworden. Wer auf der Suche nach einem Fitnessstudio ist, hat deshalb die Qual der Wahl. Will ich ein Studio mit Wellnessbereich? Brauche ich nur Geräte fürs Krafttraining oder ist mir Ausdauer wichtiger? Und welche Preisklasse darf es denn sein? Es gibt eine Vielzahl von Kriterien, in denen sich die Studios unterscheiden. Deshalb sollte man sich zunächst klarwerden, was man überhaupt von einem Fitnessstudio erwartet. Hier eine kleine Typologie als Entscheidungshilfe:

Der Purist

Wer in seinem Studio vor allem Kraft tanken will, sollte ein Fitnesscenter wählen, in dem möglichst wenig vom Training an den Kraftmaschinen ablenkt. Es gibt Studioketten, die aus Prinzip ganz auf Musik- und TV-Berieselung verzichten. Auch einen Sauna- oder Wellnessbereich findet man in diesen schlichten Studios nicht. „Kieser-Training macht keinen Spaß, soll es auch gar nicht“, sagt Werner Kieser, der Gründer der Studio-Kette „Kieser Training“. „Wir verzichten auf Schnickschnack, denn je größer die Auswahl ist, umso verlockender ist es, nur das Dessert zu essen.“

Der Gesellige

Nette Leute kann man in jedem Fitnessstudio treffen. Kurse, gemeinsame Aktivitäten und Bars erleichtern das Kennenlernen aber ungemein. Wer Geselligkeit erwartet, sollte deshalb ein Studio wählen, das seine Kunden nicht nur stählen, sondern auch unterhalten will. In Spinning- oder anderen Kursen kann man gemeinsam mit anderen trainieren - und anschließend an der Bar ein Getränk nehmen, wie zum Beispiel im Kölner „Injoy“. Auch Outdoor-Kurse wie Inline-Fahren und Freizeitveranstaltungen wie Grillabende bieten manche Studios an.

Der Wellness-Jünger

Premium-Studios wie die Londoner Kette „Holmes Place“ verknüpfen Sport mit exklusivem Luxus - und nennen sich deshalb auch lieber „Clubs“. „Unsere Clubs sind Orte der Kommunikation, in denen Sie sich gesund ernähren oder sich einfach verwöhnen lassen können“, heißt es in einer Selbstdarstellung des Holmes Place. Zum Angebot gehört in solchen Studios außer einer ausgiebigen Sauna- und Wellnesslandschaft samt Pools mancherorts sogar ein Handtuch-Service. Auch Kinderbetreuung und Ernährungsberatung ist oft im Preis inbegriffen - der es dafür aber meist in sich hat.

Der Allzeit-Bereite

Wen nachts um halb zwölf noch die Lust überkommt, ein paar Gewichte zu stemmen, der sollte bei seinem Studio vor allem auf die Öffnungszeiten achten. 24-Stunden-Studios, wie zum Beispiel das „McFit“, haben oft auch an Sonn- und Feiertagen zu Zeiten geöffnet, an denen in vielen Clubs schon das Licht ausgeht. Ausgestattet sind sie meist mit Kraftmaschinen, Cardiogeräten und Freihanteln. Verzichtet wird dagegen meist auf einen Wellnessbereich, auch die Betreuung durch Trainer ist eingeschränkt. Dafür sind die Studios oft deutlich günstiger als andere.

Der Gesundheits-Sportler

Rückenleiden sind eine Volkskrankheit in Deutschland, deshalb werben viele Studios mit gesundheitsorientiertem Training, das sich meist auf die Stärkung des Rückens und der allgemeinen Fitness beschränkt. Diese Studios legen viel Wert auf qualifizierte Trainer und medizinische Betreuung. Vor allem untrainierten und älteren Menschen, für die regelmäßiger Sport bislang nicht zum Tagesablauf gehörte, sind diese Studios zu empfehlen. Der Tüv-Rheinland zertifiziert gesundheitsorientierte Anbieter mit einem Gütesiegel.