"Essen und Trimmen - beides  muss stimmen!"

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Geld durch Gesundheit

Kölner Stadtanzeiger, 05.06.2008

Die Belegschaft in den Unternehmen altert, deshalb wollen Firmen und Behörden in Gesundheitsförderung investieren. Animiert werden sie dazu vom Projekt "Gesunde Stadt".

Dass Firmen ein Interesse daran haben, ihre Belegschaft - egal ob jung oder schon etwas älter - gesund zu erhalten, liegt auf der Hand, denn: Krankheit kommt die Firmen teuer zu stehen durch Fehlzeiten, verringerte Arbeitsleistung und Ausfälle in der Produktion, von sinkender Motivation ganz zu schweigen. Eine Studie des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln unter Leitung von Prof. Ingo Froböse hat die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte beleuchtet. Froböse verweist auf Untersuchungen in den USA, die belegen, dass die Investition von einem Dollar in die Gesundheit der Mitarbeiter einen Gewinn von drei Dollar bringt.

Das Projekt „Gesunde Stadt“ (siehe Zusatzinformation) hat sich zum Ziel gesetzt, Firmen, deren Chefs und Vorstände sowie die Belegschaft für das Thema Gesundheit zu begeistern. Wie bei allen Projekten, so beginnt auch dieses mit einem runden Tisch. Der steht im Bundesamt für Zivildienst in Köln mit seiner Präsidentin Helga Roesgen und wird geleitet von Horst Peters, 55, Leiter der Stabsstelle „Betriebliche Gesundheitsförderung“ in der Behörde. 60 Teilnehmer sitzen bereits in der Runde, mit dem erklärten Ziel, die Fitness der Belegschaft zu fördern: Bundesamt für Verfassungsschutz, Stadtverwaltung, Polizei, Kliniken und Universität in Köln, Versicherungen, IHK, DGB und die Zentrale der Rewe-Gruppe, die bereits seit Mitte der 90er Jahre auf dem Sektor aktiv ist. Das Bundesamt für Zivildienst mit seinen 750 Beschäftigten realisiert seit 1998 Gesundheitsprojekte.

Unternehmen und Belegschaften, auch solchen, die noch nicht am runden Tisch sitzen, und kleineren Betrieben, die sich ein eigenes Konzept nicht erarbeiten und leisten können, wird angeboten, dass sie Informationen abrufen können (siehe: „Betriebe op Jöck“). Nicht alles, was gesund ist, lässt sich in den Firmenalltag übernehmen, aber vieles ist machbar. So gibt es bereits einige Unternehmen, die auf Firmenkosten ihren Mitarbeitern dreimal in der Woche gesundes Essen anbieten oder Massage und Reiki in den Arbeitspausen. Häufiger anzutreffen sind dagegen Gesundheits-Vorträge, Firmen-Sportgruppen und Bewegungsprogramme.

So hat zum Beispiel das Bundesamt für Zivildienst erfolgreich mitgemacht bei „3000 Schritte am Tag mehr“, was übersetzt so viel bedeutet wie eine halbe Stunde mehr gehen. Wer teilgenommen hat, musste sein Pensum anhand eines Schrittzählers belegen, und die Untrainierten unter den „Läufern“ nahmen in zwölf Wochen bis zu fünf Kilo ab, senkten damit die Blutfettwerte, den Cholesterinspiegel und linderten Atembeschwerden. Immerhin blieb rund ein Drittel der anfänglich Begeisterten dem zusätzlichen Training treu und macht es weiter.

Die Motivation der Führungsmannschaft und Belegschaft sind für den runden Tisch und seinen Sprecher Horst Peters zentrales Problem. Peters: „Das Verhalten ändert sich nur über Emotionen. Und da ist nun mal der Chef das Vorbild. Dann sind auch die Mitarbeiter motiviert.“ Wenn nicht das mittlere Management zum Bremsklotz wird, argumentiert Peters, denn das mittlere Management ist meist dem Druck von unten und oben ausgesetzt und hat zu wenig Kapazitäten, um noch Zusatzprojekte anzustoßen. Zudem zeigen sich Gewerkschaftsseite und Betriebsräte nicht immer begeistert. Sie argwöhnen, dass ein fitter Mitarbeiter aus Sicht des Unternehmers nur dazu dienen soll, noch mehr beansprucht zu werden.

Helga Roesgen, Chefin des Bundesamts für Zivildienst, stößt noch eine andere Denkrichtung an: „Wir brauchen ein besseres Verständnis für Krankheit. Der Arbeitnehmer darf kein schlechtes Gewissen haben, wenn er krank ist. Es bringt ja nichts, verschnupft und vergrippt ins Büro zu kommen und die Kollegen anzustecken. Und wir müssen vom Arbeitnehmer auch erwarten, dass er ehrlich mit Krankheitstagen umgeht.“

Damit es gar nicht erst dazu kommt, hat im Bundesamt gerade die Aktion begonnen „Mit dem Rad zur Arbeit“. Wer mitmachen will, muss in einer vorgegebenen Zeit 20-mal auf Bus, Bahn oder Auto verzichteten und zum Job radeln. Eine Liste mit Kilometer-Angaben dient als Nachweis und Teilnahme beim Gewinnspiel.