"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
Ist das Fahrradfahren unbequem, dann ist nicht selten der Sattel schuld daran. Falsches Sitzen geht auf die Wirbelsäule und belastet das Gesäß, doch die Suche nach dem „einzig Richtigen“ ist wie im echten Leben, einmal geht es schnell, ein andermal wird es eine Geduldsprobe.
Die Hersteller haben längst reagiert und Sättel in verschiedenen Breiten und Längen gefertigt. Doch egal, ob breit, schmal, hart oder weich, in erster Linie muss der Sattel zum Becken passen.
Wie breit ein Sattel sein sollte, kann man einfach herausfinden. Dazu braucht man eine dünne Wellpappe und setzt sich eine halbe Minute drauf. Danach sieht man drei leichte Dellen: die Sitzbeinhöcker und den Mittelpunkt. Diese Punkte markieren und ausmessen, denn sie geben einen ersten Anhalt, wie breit der Sattel geformt sein sollte. Gute Fahrradgeschäfte haben übrigens extra Wellpappe für diesen Test bereitliegen.
In der Regel liegen die Sitzbeinhöcker bei Frauen 1 Zentimeter weiter auseinander als bei Männern, da sie ein breiteres Becken haben, sodass es ratsam sein kann, einen extra Damen- oder Männersattel zu wählen.
Genauso wichtig wie der „kleine Unterschied“ ist die Sitzhaltung. Wer mit einem Rennrad unterwegs ist, sitzt sehr flach auf dem Sattel, und das Becken ist nach vorne gekippt. Deshalb sind Sportsättel recht schmal, lang und hart. Je aufrechter die Haltung, wie beispielsweise auf dem Hollandrad, desto mehr wird der Sattel belastet. Deshalb sollte er in diesem Fall breiter, weicher und kürzer sein. Die Sättel bei Trekkingrädern stellen einen Kompromiss zwischen den beiden Formen dar.
„Auf diese Anhaltspunkte allein ist kein Verlass“, meint Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. „Wenn man in den Fahrradladen geht, sollte man sich wie beim Matratzenkauf verhalten. Da legt man sich hin und nimmt sogar eine Matratze mit nach Hause. Das Gleiche sollte für Sättel auch gelten. Sättel müssen ausprobiert werden.“ In der Tat borgen gute Radläden Sättel auch gegen eine geringe Miete und ein Pfand für eine Woche aus.
Es gibt unterschiedliche Materialien und Formen für Sättel, wobei Professor Froböse einen entscheidenden Faktor für wichtig hält: „ Der Sattel sollte aus atmungsaktivem Material sein, wie etwa Leder, oder luftdurchlässige Materialien, wie Siebe, kombiniert mit Kunststoff, damit der Hintern gut durchlüftet ist.“
Besonders die auf alt gemachten Ledersättel gelten gerade als schick und sehr bequem, haben jedoch ihre Nachteile. Die ersten Wochen ist Leder milde gesagt unbequem, denn es muss eingefahren werden, und zwar gut 1.000 Kilometer lang, dann passt es sich jedoch dem Gesäß individuell an, und das quasi ein Leben lang. Wer sein Rad oft im Freien stehen hat, sollte sich überlegen, ob ein Ledersattel das Richtige ist, denn er gibt bei Regen Farbe ab, ist völlig durchnässt und wird steinhart. Außerdem können Sättel aus Leder manchmal mehr als ein ganzes Fahrrad kosten.
Auch Lochsättel überschwemmen den Markt. Hinter dem Loch steckt die Idee, das Material dort zu entfernen, wo der Sattel unbequem werden oder gar Schmerzen verursachen könnte. Ist keine Fläche da, tut nichts weh. So überzeugend die Idee klingt, der Experte ist wenig begeistert von ihr. „Löchersättel haben eine Wirkung, die letztendlich nicht richtig wissenschaftlich erforscht und auch nicht wirksam ist, weil sie nämlich den Druck zwar in der Mittelzone wegnehmen, aber auf den Randzonen erhöhen. Die gesamte Belastung muss auf eine kleinere Fläche verteilt werden, und dementsprechend ist der punktuelle Druck viel zu hoch.“
Der Sinn des Gels ist es, sich dem Körper anzupassen. Eigentlich wurde das Gel für medizinische Zwecke entwickelt, damit sich Patienten weniger wund liegen oder Rollstuhlfahrer länger sitzen können. Danach hat das Gel den Weg in die Sättel geschafft und nimmt beim Radeln den Druck vom Gesäß auf. Es fließt nicht weg wie Luft und Wasser und entlastet entsprechend. Aber generell ist es beim Sitzmöbel Sattel wie bei anderen Sitzmöbeln auch: Es kommt auf die individuellen Bedürfnisse des Sitzers an.