"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
"Essen und Trimmen - beides muss stimmen!"
Sport bei einer Erkältung? Das hängt ganz davon ab, wie stark die Beschwerden sind und ob es schon zu einer richtigen Infektion gekommen ist. Wenn es in der Nase nur leicht kribbelt, nur als Reaktion auf eine leichte Unterkühlung, dann kann Sport sogar helfen, Schlimmeres abzuwenden. Denn durch die Bewegung an frischer Luft, etwa beim Joggen, werden die Schleimhäute besser durchblutet und befeuchtet. Das fördert die Erregerabwehr. Und das ist allemal besser, als in trockener, möglicherweise überhitzter Luft drinnen zu sein. „Allerdings sollte man auch dabei schon sein gewohntes Sportpensum etwas zurückschrauben“, sagt Ingo Froboese, Professor für Rehabilitation und Prävention an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Ein Sportstopp ist angezeigt, wenn eine richtige Erkältung eingetreten ist. Wenn Viren und möglicherweise sogar noch Bakterien im Körper sind und es zu einer Infektion gekommen ist. Das zu erkennen ist nicht schwer: In der Regel ist man ohnehin dann schon zu schlapp und zu müde, sich aufzuraffen. Und das ist auch gut so: Der Körper signalisiert damit, dass er Ruhe braucht, um die Eindringlinge zu bekämpfen. Und diesem Ruhebedürfnis sollte man unbedingt nachgehen, sagt Ingo Froboese. „In der Regel ist der Körper nach drei Tagen fertig mit der Erregerabwehr. Und dann kann man wieder mit leichter Aktivität wie beispielsweise Spaziergängen beginnen.“ Vor allem ein Spaziergang am Tageslicht ist ein guter Einstieg. Nicht nur, weil es von der Intensität der Aktivität her das richtige Maß ist. Zusätzlich hat das Tageslicht hat einen positiven Effekt. Es regt den Organismus an, bestimmte Vitamine- und Hormone zu produzieren, die helfen, schnell wieder zu gesunden. Künstliches Licht zu Hause schafft das nicht. „15 Minuten müssen es mindestens sein, in denen Hände und Gesicht Tageslicht abbekommen sollten“, so Froboese.
Ein absolutes Sportverbot besteht, wenn die Körpertemperatur erhöht ist (bis 37,5 Grad Celsius) oder Fieber (ab 38 Grad Celsius) eingetreten ist. Feststellen kann man das über seinen Ruhepuls, gemessen morgens im Bett. Viele Breitensportler kennen den Wert bei sich. Wenn dieser laut Froboese um fünf bis neun Schläge in der Minute erhöht sei, dann könne dies auf eine Infektion hindeuten. Natürlich kann dies auch zu wenig Schlaf der Grund sein. Aber auf eine Erkältung weisen möglicherweise schon andere Symptome wie Kratzen im Hals oder eine laufende Nase hin.
Fieber zeigt, dass Entzündungsherde im Körper Oberhand genommen haben und im Organismus „umherschwimmen“. Ein hochgefahrener Kreislauf durch körperliche Anstrengung fördert dann, dass sich diese Herde im Körper noch so richtig gut verteilen. Und das kann gefährlich werden. So können sich etwa Bakterien in anderen Organen niederlassen und dort Entzündungen auslösen. Gefürchtet dabei ist vor allem eine Herzmuskelentzündung. Diese kann das Herz dauerhaft schädigen, was vor allem bei sportlicher Belastung später gefährlich werden kann. Das sei auch ein wichtiger Grund, warum sich alle, die regelmäßig aktiv Sport treiben, einmal im Jahr sportmedizinisch durchchecken lassen sollten, sagt Froboese. Mögliche Herzschädigungen lassen sich beispielsweise durch eine Ultraschalluntersuchung feststellen.
Und auch eines sollte man Froboese zufolge nicht vergessen: Nach sportlicher Aktivität lässt die Schlagkraft des Immunsystems für ein paar Stunden nach. Experten sprechen dabei vom so genannten „Open Window Phenomenon“, zu deutsch „Offenes Fenster Phänomen“. Gemeint ist, dass der Körper durch die reduzierte Immunabwehr „offen steht“ für Krankheitserreger und infektanfällig wird. Daher ist es ratsam, beispielsweise im Winter nach dem Sport nicht mit nassen Haaren oder ohne Kopfbedeckung zum Auto zurückzugehen. Und auch noch länger sollte man seinem Körper Zeit zum Regenerieren geben. Bei Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sollten diese Erholungsphasen rund 24 bis 36 Stunden dauern.
Studien haben gezeigt, dass Sport das Immunsystem stärkt. Vor allem Zellen, die Fremdkörper wie etwa Erreger oder Stoffwechselprodukte dieser Erreger erkennen und unschädlich machen, werden vermehrt gebildet. Durch Sport werden diese Killerzellen, die besonders für die Abwehr von Krebs- und Viruserkrankungen wichtig sind, nicht nur mehr, sondern auch besonders leistungsfähig. Das heißt, sie können schädliche Eindrinlinge leichter erkennen und besser vernichten.
Allerdings ist dabei das richtige Maß der körperlichen Aktivität wichtig. Das Motto „Viel hilft viel“ gilt dabei nicht. Zwar steigert intensive Belastung die Immunabwehr zunächst auch stärker. Doch nach der Anstrengung fällt sie für Stunden wieder ab. Und zwar umso mehr, je stärker die Belastung vorher war. Leistungssportler bewegen sich daher immer an der Grenze einer erhöhten Infektanfälligkeit. A und O für eine Stärkung des Immunsystems ist daher ein vernünftiges Training mit einer angemessenen Belastung entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit.