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Die Waage sagt nur die halbe Wahrheit

Kölnische Rundschau, 20.05.2011

Besser mollig und fit als schlank und nicht fit. Nicht das Gewicht ist für die Gesundheit entscheidend: Wichtiger ist das Verhältnis von Fett und Muskeln. Gibt es eine verlässliche Richtschnur für das richtige Körpergewicht? Ja, die gibt es.

Keine Panik beim Blick auf die Waage - das Körpergewicht ist nicht das Hauptkritierium. (Bild: dpa)

Gibt es eine verlässliche Richtschnur für das richtige Körpergewicht?

Ja, die gibt es, egal ob man jung oder etwas älter ist, egal ob für Männer oder Frauen, egal ob für große oder kleine Menschen: Nur ja nicht auf die Waage verlassen.

Professor Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Sporthochschule Köln: "Die Waage sagt nur die halbe Wahrheit, denn sie gibt keinen Einblick in das Innenleben des Körpers. Dort aber liegt die Wahrheit, denn die Qualität des Motors ist ausschlaggebend."

Der Motor sind die Muskeln, zudem der Anteil des Fetts und vor allem die Verteilung des Fetts im Körper, was Froböse urteilen lässt: "Lieber etwas moppelig und fit als schlank und nicht fit."

"Wir wissen mittlerweile, dass etwas mehr Gewicht und eine gute Fitness eine lange Lebensdauer garantieren. Wer mager und hager ist und zu wenig Muskeln hat, der riskiert zunehmend Beschwerden."

Wichtig aber ist, wo das Fett sitzt. Aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich - der ästhetische Blickwinkel ist sicherlich anders - ist es an Oberschenkeln, Po und Armen. Bedenklich wird es, wenn das Fett sich am Bauch ansammelt, weil Bauchfett Hormone produziert, die dafür sorgen, dass ständig kleine Entzündungsherde im Körper angefacht und die Blutgefäße geschädigt werden.

Daraus können Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ II und ein gestörter Fettstoffwechsel resultieren. Das Bauchfett hat zudem die gefährliche Eigenschaft, die anderen Organe in der Bauchregion so zu bedrängen, dass sie nicht mehr richtig funktionieren.

Der Fettanteil im Körper lässt sich relativ einfach messen. Die Fettverteilung sieht man, wenn man sich im Spiegel betrachtet. Mit Hilfe eines Maßbandes lassen sich die kritischen Werte beim Bauchumfang sofort feststellen (siehe Tabellen).

Waagen, die den Fettanteil angeben, sind in der Regel nicht zu empfehlen, was auch die Stiftung Warentest in ihren Beurteilungen bestätigt. Weitaus besser sind Bio-Impedanz-Analysen, die ein guter Hausarzt durchführen kann. Hier wird mittels Strom der eigene Fettanteil im Körper gemessen.

Gut ist auch die Caliper-Methode. Caliper sind kleine Kunststoffklammern, mit denen an fünf Punkten am Körper - unter anderm an Oberarmen, Rücken und der Bauchfalte - die Dicke des Unterhautfettgewebes bestimmt wird.

Caliper kann man sich in Apotheken für wenig Geld kaufen, eine Anleitung wird mitgeliefert. Wer dann noch seinen Body Mass Index (siehe Kasten) ermittelt und sich ausreichend bewegt, der kann beruhigt, weil gesund, alt werden.

Die Diskussion um gute und schlechte Körperfette sollte den Menschen aber nicht dazu verleiten, Fette aus seinem Ernährungsplan zu streichen.

Froböse: "Ohne Fette hätten wir keine Nägel und keine Haare, ohne Fette würden unsere Zellstrukturen verkümmern." Dennoch spricht einiges dafür, sich mit zunehmendem Alter qualitativ hochwertig, aber in der Menge etwas reduziert zu ernähren. Japaner, speziell in der Region nahe Okinawa, machen von sich reden, weil sie sich außerordentlich sparsam ernähren (Okinawa-Diät) und bis ins hohe Alter von schlanker Statur sind.

Froböse: "Eine schlanke Figur im Alter schont die Zellen, denn sie können sich besser regenerieren."

Aber auch dieses sicherlich besondere und längst noch nicht erforschte Phänomen klappt nicht, ohne dass der Mensch seinen Motor - die Muskeln - pflegt und hegt, und zwar ein Leben lang.

Fette sind in richtigem Maße wichtig

Zusammen mit einem "gesunden Fettpolster" übersteht der Körper auch Phasen der Krankheit, in denen zuerst die Fettreserven angeknabbert werden, bevor sich der kranke Organismus an den Muskeln "bedient", was zu einer gefährlichen Schwächung führt. Die gesunde Formel heißt: Genau so viel essen, wie man auch verbraucht. Große Menschen benötigen mehr Kalorien als kleine (siehe Infokasten).

Denn: Je größer man ist, desto mehr Energie brauchen die Muskeln.