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Bewegung senkt das Krebserkrankungsrisiko bis zu 50% herab

Zentrum für Gesundheit, 01.04.2004


Eine Studie aus dem Zentrum für Gesundheit hat einen Überblick über epidemiologische Studien der Krebserkrankungen erstellt, die den Einfluss körperlicher Aktivität auf das Erkrankungsrisiko untersucht. Insgesamt wurden über 100 internationale Studien zum Darm-, Brust-, Prostata und Lungenkrebs in dieser Synopse zusammengefasst. Die deutlichste protektive Wirkung von Sport konnte gegenüber Darmkrebs festgestellt werden, da das Erkrankungsrisiko hier bis zu 50% gesenkt werden kann.


Die jährliche Neuerkrankungsrate an Krebs nimmt weiterhin zu. Im Jahr 2002 erkrankten schätzungsweise 179.000 Frauen und 166.500 Männer an einer bösartigen Neubildung im Körper. Somit erkrankt statistisch gesehen jeder 3. Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs und jeder vierte Todesfall ist dieser Krankheit zuzuschreiben. Vor allem im mittleren Lebensalter (zwischen 35 und 70 Jahren) ist Krebs die Todesursache Nr.1 noch vor den sonst führenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen!
Aus diesem Grunde ist es von immanenter Bedeutung, die Risikofaktoren dieser Krankheit zu bestimmen, um dadurch eventuell geeignete primäre Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Nach dem Stand der heutigen Forschung gehören zu den Risikofaktoren von bösartigen Tumoren das Alter (mit steigendem Alter erhöht sich das Erkrankungsrisiko), genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und der Einfluss von Hormonen. Vor allem mit der starken Zunahme von Übergewicht und Bewegungsmangel in den Industriegesellschaften, tritt immer mehr die körperlicher Aktivität und die Ernährung in die Diskussion der Krebsprophylaxe.
Aus diesem Grunde ist das Zentrum für Gesundheit der Frage nachgegangen, inwieweit körperliche Aktivität in Beruf, Alltag und Freizeit bei der Entstehung von malignen Krebsformen eine protektive Funktion übernimmt. Aufgrund der unterschiedlichen epidemiologischen Faktoren der verschiedenen Krebsarten, sind die Studien nach verschiedenen Erscheinungsformen differenziert betrachtet worden. Eine Übersicht gibt Tabelle 1.

Tab.1: Zusammenfassende Übersicht epidemiologischer Studien zum Einfluss von körperlicher Aktivität auf das Krebsrisiko (nachLötzerichet al. 2002)


Darmkrebs

Die meisten empirischen Studien sind zu Krebsarten des Verdauungstraktes durchgeführt worden. Insgesamt gehen 39 von 47 Studien von einerprotektivenWirkung von körperlicher Aktivität gegenüber malignen Tumoren des Darmes aus. Die Risikominderung wird meistens zwischen 40-50% angegeben und wird unter anderem begründet durch die verkürzte Transitzeit der Nahrung aufgrund physischer Aktivität, Steigerung des Stoffwechselumsatzes, geringere Sekretion von Gallensäuren und der Abnahme der Glukose-und Insulinkonzentration. Vor allem beim Mastsarmkrebs wird Übergewicht als ein entscheidender Risikofaktor angegeben, da Fettzellen nicht nur als Speicher von Vitaminen, sondern auch von Giften und anderen Stoffwechselzwischenprodukten fungieren können. Somit stellt das Fettgewebe eine mögliche Quelle von Karzinomen bei fettleibeigen Menschen dar.


Brustkrebs

An dem hormonabhängigen Mammakarzinom erkranken in den westlichen Ländern statistisch gesehen jede 10. Frau. In unserer Literaturübersicht konnten wir feststellen, dass in 29 von 40 epidemiologischen Studien eine Reduktion des Erkrankungsrisikos festgestellt werden konnte. Begründungen liefert der Einfluss von Bewegung auf den Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen. Sport kann zur zeitlichen Verzögerung des Einsetzen der ersten Menarche (1. Regelblutung) führen, was in Folge von verschiedener empirischen Studien zur Herabsenkung des Erkrankungsrisikos führt. Insbesondere nach Einsetzen der Menopause (Wechseljahre) spielt auch das Übergewicht als Risikofaktor eine bedeutende Rolle, dem durch Sport und Bewegung entgegen gewirkt werden kann.


Prostatakrebs

Wie der Brustkrebs der Frau ist auch der Prostatakrebs eine hormonabhängige Krebsform des Mannes. Hier konnte bei 18 von 31 Studien eine schützende Wirkung der körperlichen Aktivität festgestellt werden. Diskutiert wird der positive Einfluss von Bewegung auf die Testosteronkonzentration.


Lungenkrebs

Beim Lungenkrebs liegen vergleichsweise relativ wenige Studien vor, da hier der Tabakkonsum im Vordergrund steht. Dennoch konnten 6 der 8 Studien eine positive Wirkung nachweisen, was durch eine erhöhte Ventilation der Lunge mitbegründet wird. Zum anderen rauchen Sportler meistens weniger oder gar nicht und senken dadurch das Erkrankungsrisiko erheblich.

Neben den direkten Einflüssen von Sport auf die Entwicklung von malignen Karzinomen spielen auch die indirekten Faktoren eine Rolle. Körperlich aktive Menschen haben meist einen gesünderen Lebensstil, der sich durch eine gesündere (fettarm, faserreich, vitaminreiche) Ernährung und durch geringeren Alkohol-und Tabakkonsum auszeichnet. Sportler gehen ebenso meistens häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen aufgrund eines erhöhten Körperbewusstseins, was zu einer Früherkennung von bösartigen Tumoren beiträgt.


Fazit

Betrachtet man alle vorliegenden Ergebnisse wird die besondere gesundheitsfördernde Wirkung von Sport und Bewegung auf die Entwicklung von Karzinomen deutlich.

Als allgemeine Empfehlungen zur Vorbeugung von Krebserkrankungenzählen Ausdauersportarten (Walking,Nordic-Walking, Jogging, Schwimmen, Radfahren, etc.), aber auch andere körperliche Aktivitäten, die insgesamt 2-4 Stunden pro Woche bei moderater Intensität durchgeführt werden.

 

Bei weiteren Informationen kontaktieren Sie bitte:
Bianca Biallas, Birgit Wallmann
Tel.: 0221-4982-7110
Email: info@zfg-koeln.de

Studiendurchführung:
PD Dr. Helmut Lötzerich
Institut für Natursport und Ökologie